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Dschungel – "Tee" fördert die geistige Gesundheit.
Ungiftigkeit von Ayahuasca nachgewiesen

 

  In einer sorgfältig kontrollierten wissenschaftlichen Feldstudie hat ein Team um den amerikanischen Forscher C.S. Grob die physischen, psychischen und sozialen Wirkungen eines langfristigen rituellen Gebrauchs von Ayahuasca in der brasilianischen Religion Uniao do Vegetal untersucht. Ähnlich wie in der Santo Daime Kirche wird hier das Entheogen Ayahuasca als religiöses Sakrament verehrt.

Die Ergebnisse wurden veröffentlicht in: Grob, C.S., D.J. McKenna, G.S.Brito, E.S.Neves, G. Oberlender, O.L. Saide, E. Labigalini, C. Tacla, C.T. Miranda, R.J. Strassman und K.B. Boone: Human psychopharmacology of hoasca, a plant hallucinogen used in ritual context in Brasil, in: Journal of Nerveous and Mental Disease 184, S. 86-94 (1996)

Im folgenden eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse, veröffentlicht im Brain-Mind Bulletin, Mai 1996.

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UDV-Meeting

 

Eine in Brasilien durchgeführte Untersuchung verweist sowohl auf die Gefahrlosigkeit als auch auf die gesundheitsfördernden Wirkungen von Ayahuasca, einem starken psychedelischen "Tee", der in letzter Zeit verstärkt Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Ayahuasca ist eine Mischung aus DMT enthaltenden Blättern und Harmala-Alkaloiden aus einer Urwaldliane. Es wird berichtet, daß es bei denen, die es als Sakrament verwenden, zu einer dauerhaften Verbesserung ihrer psychischen Funktionen führt. Die vorliegende Untersuchung wurde von dem Psychiater Charles Grob, von der University of California, Los Angeles, und dem Ethnobotaniker Dennis McKenna vom Heffter Forschungs-Institut geleitet. Sie ist die erste, die die Toxizität der Substanz überprüft.

Grobs Team, zu dem auch der Pharmakologe James Callaway aus Finnland, der Psychiater Rick Strassman von der Universität von New Mexico und eine Gruppe von brasilianischen Forschern gehörten, untersuchten 15 männliche Mitglieder der Uniao do Vegetal, einer religiösen Bewegung, die sich ebenso wie die Santo Daime Religion auf die gemeinsame Einnahme von Ayahuasca gründet. Alle Teilnehmer sind seit mindestens zehn Jahren aktive Mitglieder einer kirchlichen Gemeinde am Amazonas in Brasilien.

Der Tee wird mindestens zweimal im Monat rituell getrunken. Zu den Zeremonien gehören Ansprachen eines Pfarrers (oder Mestre) und Lieder, die die Schönheit der Natur preisen. Mitglieder der UDV nehmen Ayahuasca niemals außerhalb der Rituale ein. Die Kirche fordert strenge Abstinenz von allen anderen Rauschmitteln, einschließlich Tabak.

Die Mitglieder wurden zusammen mit einer Vergleichs-Kontrollgruppe von 15 Männern, die kein Ayahuasca anwenden, einer umfassenden Reihe von biomedizinischen, neuropsychologischen und Persönlichkeitstests unterzogen.

Es fanden sich keine nachteiligen Wirkungen. Vielmehr ergab sich bei den meisten Versuchspersonen ein hervorragender Gesundheitszustand, den diese auf die rituelle Anwendung der Droge zurückführten.

Viele berichteten von vielfältigen persönlichen Problemen vor ihrem Beitritt zur UDV, wozu auch Depressionen, Angstzustände und Mißbrauch von Substanzen, insbesondere Alkohol, gehörten. Sie beschrieben ihre damalig Verfassung als impulsiv, respektlos, ärgerlich, verantwortungslos und erfolglos.

Alle 15 Versuchspersonen der UDV meinten, daß ihre Erfahrung mit der rituellen Einnahme von Ayahuasca "eine tiefgreifende Wirkung auf ihr Leben gehabt habe" heißt es in der Untersuchung.

Sie gehen allgemein davon aus, daß ihre erste Erfahrung transformativen Charakter hatte, wobei ihnen alptraumartige Szenen vom Elend und der Selbstzerstörung gezeigt wurden, die ihnen bevorstünden, wenn sie ihr Leben so weiterführten. Mit der Zeit änderten sie ihren Lebensstil, und die Bilder wurden positiver.

Die VPs sahen generell Ayahuasca als den Auslöser dafür an, daß sie ihr Leben wieder ins Lot brachten. Sie bekräftigten jedoch alle, daß es der zeremonielle Rahmen war, der der Droge ihre transformative Kraft gab. Viele gaben ihrer Befürchtung Ausdruck, daß labile Personen psychischen Schaden davontragen würden, wenn sie Ayahuasca außerhalb der rituellen Struktur einnehmen würden.

"Sie sind alle davon überzeugt, daß sie ihren chronischen Ärger, ihren Groll, ihre Aggressivität und ihre Entfremdung überwunden haben", merkte Grob an. Nach seiner Einschätzung wurden sie so zu Menschen mit Verantwortung - als "solide Bürger".

Obwohl es möglich ist, daß die gesundheitlichen Wirkungen und die Änderung des Lebenswandel zum Teil auf die Zugehörigkeit zu einer disziplinierten religiösen Gruppe zurückführbar sind, äußerte Grob: "Es ist durchaus vorstellbar, daß die langfristige Anwendung von Ayahuasca selbst einen positiven und therapeutischen Effekt hat."

Die Mitglieder führen ihr gutes Gedächtnis und ihre Konzentrationsfähigkeit auf ihr Training bei der UDV zurück. Die Kirche erwartet von ihren Mitgliedern, daß sie auch bei starken Visionen konzentriert am Ritual teilnehmen. Bei einigen neuropsychologischen Tests schnitten die Mitglieder besser ab als die Kontrollgruppe.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis: UDV Mitglieder hatten mehr Seretonin-Rezeptoren als üblich auf ihren Blutkörperchen. Dies ist das erste Mal, daß eine chemisch ausgelöste "Aufwärtsregulierung" von Serotonin bei Menschen festgestellt wurde. Wegen ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit Serotonin binden sich LSD und andere Psychedelika an die Rezeptoren. Antidepressiva wie Prozac (deutsch: Fluktin A.d.Ü.) können zu einer Reduktion der Zahl von Serotonin Rezeptoren führen.

Grob sagte aus, daß Ayahuasca zur Behandlung des Kokain-Mißbrauchs in Brasilien nützlich sein könnte. Aber er warnt auch: "Man kann nicht einfach Ayahuasca verabreichen wie ein Medikament, wichtig ist die Ausrichtung auf ein Ritual, auf Set und Setting (set bezieht sich auf die mentale Verfassung einer Person, setting auf das gesamte Umfeld bei einer psychedelischen "Reise", A.d.Ü.) und den Rat und die Unterstützung der Gruppe."

Grob plant eine Untersuchung mit Männern und Frauen, die Mitglieder der UDV werden wollen, um einen klaren "Nullpunkt" (baseline) zu erstellen. Unabhängig davon wird gerade eine Studie mit den Kindern der Mitglieder vorbereitet.

 

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