Eine in Brasilien durchgeführte
Untersuchung verweist sowohl auf die Gefahrlosigkeit als auch auf die
gesundheitsfördernden Wirkungen von Ayahuasca, einem starken psychedelischen
"Tee", der in letzter Zeit verstärkt Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Ayahuasca ist eine Mischung aus
DMT
enthaltenden Blättern und Harmala-Alkaloiden aus einer Urwaldliane. Es wird berichtet,
daß es bei denen, die es als Sakrament verwenden, zu einer dauerhaften Verbesserung ihrer
psychischen Funktionen führt. Die vorliegende Untersuchung wurde von dem Psychiater
Charles Grob, von der University of California, Los Angeles, und dem Ethnobotaniker Dennis
McKenna vom Heffter Forschungs-Institut geleitet. Sie ist die erste, die die Toxizität
der Substanz überprüft.
Grobs Team, zu dem auch der
Pharmakologe James Callaway aus Finnland, der Psychiater Rick Strassman von der
Universität von New Mexico und eine Gruppe von brasilianischen Forschern gehörten,
untersuchten 15 männliche Mitglieder der Uniao do Vegetal, einer religiösen Bewegung,
die sich ebenso wie die Santo Daime Religion auf die gemeinsame Einnahme von Ayahuasca
gründet. Alle Teilnehmer sind seit mindestens zehn Jahren aktive Mitglieder einer
kirchlichen Gemeinde am Amazonas in Brasilien.
Der Tee wird mindestens zweimal im
Monat rituell getrunken. Zu den Zeremonien gehören Ansprachen eines Pfarrers (oder
Mestre) und Lieder, die die Schönheit der Natur preisen. Mitglieder der UDV nehmen
Ayahuasca niemals außerhalb der Rituale ein. Die Kirche fordert strenge Abstinenz von
allen anderen Rauschmitteln, einschließlich Tabak.
Die Mitglieder wurden zusammen mit
einer Vergleichs-Kontrollgruppe von 15 Männern, die kein Ayahuasca anwenden, einer
umfassenden Reihe von biomedizinischen, neuropsychologischen und Persönlichkeitstests
unterzogen.
Es fanden sich keine nachteiligen
Wirkungen. Vielmehr ergab sich bei den meisten Versuchspersonen ein hervorragender
Gesundheitszustand, den diese auf die rituelle Anwendung der Droge zurückführten.
Viele berichteten von vielfältigen
persönlichen Problemen vor ihrem Beitritt zur UDV, wozu auch Depressionen, Angstzustände
und Mißbrauch von Substanzen, insbesondere Alkohol, gehörten. Sie beschrieben ihre
damalig Verfassung als impulsiv, respektlos, ärgerlich, verantwortungslos und erfolglos.
Alle 15 Versuchspersonen der UDV
meinten, daß ihre Erfahrung mit der rituellen Einnahme von Ayahuasca "eine
tiefgreifende Wirkung auf ihr Leben gehabt habe" heißt es in der Untersuchung.
Sie gehen allgemein davon aus, daß
ihre erste Erfahrung transformativen Charakter hatte, wobei ihnen alptraumartige Szenen
vom Elend und der Selbstzerstörung gezeigt wurden, die ihnen bevorstünden, wenn sie ihr
Leben so weiterführten. Mit der Zeit änderten sie ihren Lebensstil, und die Bilder
wurden positiver.
Die VPs sahen generell Ayahuasca als
den Auslöser dafür an, daß sie ihr Leben wieder ins Lot brachten. Sie bekräftigten
jedoch alle, daß es der zeremonielle Rahmen war, der der Droge ihre transformative Kraft
gab. Viele gaben ihrer Befürchtung Ausdruck, daß labile Personen psychischen Schaden
davontragen würden, wenn sie Ayahuasca außerhalb der rituellen Struktur einnehmen
würden.
"Sie sind alle davon überzeugt,
daß sie ihren chronischen Ärger, ihren Groll, ihre Aggressivität und ihre Entfremdung
überwunden haben", merkte Grob an. Nach seiner Einschätzung wurden sie so zu
Menschen mit Verantwortung - als "solide Bürger".
Obwohl es möglich ist, daß die
gesundheitlichen Wirkungen und die Änderung des Lebenswandel zum Teil auf die
Zugehörigkeit zu einer disziplinierten religiösen Gruppe zurückführbar sind, äußerte
Grob: "Es ist durchaus vorstellbar, daß die langfristige Anwendung von Ayahuasca
selbst einen positiven und therapeutischen Effekt hat."
Die Mitglieder führen ihr gutes
Gedächtnis und ihre Konzentrationsfähigkeit auf ihr Training bei der UDV zurück. Die
Kirche erwartet von ihren Mitgliedern, daß sie auch bei starken Visionen konzentriert am
Ritual teilnehmen. Bei einigen neuropsychologischen Tests schnitten die Mitglieder besser
ab als die Kontrollgruppe.
Ein weiteres überraschendes Ergebnis:
UDV Mitglieder hatten mehr Seretonin-Rezeptoren als üblich auf ihren Blutkörperchen.
Dies ist das erste Mal, daß eine chemisch ausgelöste "Aufwärtsregulierung"
von Serotonin bei Menschen festgestellt wurde. Wegen ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit
Serotonin binden sich LSD und andere Psychedelika an die Rezeptoren. Antidepressiva wie
Prozac (deutsch: Fluktin A.d.Ü.) können zu einer Reduktion der Zahl von Serotonin
Rezeptoren führen.
Grob sagte aus, daß Ayahuasca zur
Behandlung des Kokain-Mißbrauchs in Brasilien nützlich sein könnte. Aber er warnt auch:
"Man kann nicht einfach Ayahuasca verabreichen wie ein Medikament, wichtig ist die
Ausrichtung auf ein Ritual, auf Set und Setting (set bezieht sich auf die mentale
Verfassung einer Person, setting auf das gesamte Umfeld bei einer psychedelischen
"Reise", A.d.Ü.) und den Rat und die Unterstützung der Gruppe."