Santo Daime

 

English Version

Ayahuasca: Vom Amazonas in die Dschungel der Städte

Aymeric Longi

In einer der unerwarteten Wendungen der Globalisierung gelangte ein heiliger Trank nach Europa, der seit zweitausend Jahren von den Schamanen am Amazonas genutzt wurde, und löste dabei eine entschiedene Reaktion von gesetzesdurchührenden Instanzen aus. Am 18. November 1999 wurden die Leiter des französischen Zweiges einer neochristlichen Kirche aus Brasilien "Santo Daime" von der Polizei verhaftet und in die Obhut des La Sante-Gefängnisses in Paris übergeben. Sie mussten bis zum 8. Dezember warten, bevor sie wieder freigelassen wurden.

 

Ayahuasca, was in der Quechua-Sprache "Liane der Seele" oder "Liane der Toten" bedeutet, ist ein Getränk, das von dem Eingeweihten benutzt wird, um mit der Welt der Geister zu kommunizieren. Über zweitausend Jahre, bis zum frühen 20. Jahrhundert, war der religiöse Gebrauch von Ayahuasca auf die Eingeborenen des Amazonas-Bassins beschränkt. Um 1920 begannen viele neuchristliche Bewegungen in Brasilien mit dem sakramentalen Gebrauch von Ayahuasca in einer synkretistischen Verschmelzung von Christentum und Schamanismus. Die gröten dieser Kirchen sind heute die Santo Daime (wörtl. Heilige Gabe") und die Uniao do Vegetal (Vereinigung der Pflanzen). Bis in die midachtziger konnten die Kirchen in Brasilien ungehindert ihren Kult ausüben. Dann intervenierte jedoch die medizinische Abteilung des brasilianischen Gesundheitsministeriums (DIMED) und der förderative Rat für Betäubungsmittel (CONFEN), nachdem die Vereinigten Staaten Druck auf die Institutionen ausgeübt hatten, sich der Sache anzunehmen.

Ayahuasca wird aus zwei Pflanzen hergestellt: yage (Banisteriopsis Caapi), welches Harmin enthält, und Chacruna (Psychotria viridis), indem sich Dimethyltryptamin (DMT) Alkaloide befinden. Wird es oral eingenommen, deaktiviert ein Magenenzym (Monoaminoxidase) das DMT. Harmin schützt das DMT vor diesem Enzym, welches dadurch die Psychoaktivität des DMT gewährleistet. Es können zahlreiche andere Pflanzen hinzugefügt werden, um bestimmte Effekte zu verstärken oder zu vermindern, oder um bestimmte therapeutische Wirkungen zu erzielen. DIMED und CONFEN setzten Banisteriopsis caapi 1985 auf die Liste der kontrollierten Substanzen. Die Uniao do Vegetal protestierte und ein Untersuchungskomitee wurde gebildet. Nachdem der Gebrauch von Ayahuasca über zwei Jahre einer intensiven Prüfung unterzogen worden war, und die Mitglieder des Komitees selbst an den Ritualen teilgenommen hatten, empfahl man, Ayahuasca wieder aus dem Betäubungsmittelgesetz auszunehmen. Dies wurde 1987 ordnungsgemä߸ vollzogen, zur Bestürzung der USA. 1988, in der Folge von anonymen Beschwerden, die "Millionen von zum Kult gehörende Fanatiker" und "Drogensüchtige und ehemalige Guerillas" beschuldigten, LSD und Cannabis zu verteilen, formierte die CONFEN erneut eine Untersuchungskommission. Diese bestä¤tigte nicht nur das Dekret von 1987, welches den sakramentalen Gebrauch von Ayahuasca in Brasilien legalisierte, sondern empfahl auch, das Getränk dauerhaft aus der Liste der kontrollierten Substanzen zu befreien. Gegenwärtig gibt es 22 religiöse Gruppierungen, die Ayahuasca als Sakrament benutzen. Eine der größten Gemeinschaften, Santo Daime, hat Zweige in den Niederlanden, den USA, Japan, Belgien, Frankreich, Deutschland, Spanien, England und der Tschechischen Republik.

Doch während die brasilianischen Autoritäten dem Gebrauch des Getränkes ihren Segen gaben, ist dies in den anderen Nationen, in denen Santo Daime Gemeinden etabliert sind, weit davon entfernt, der Fall zu sein. So erfolgten Anfang Oktober 1999 Polizeirazzien in mehreren europäischen Ländern, die mit Beschlagnahmungen und Verhaftungen einhergingen. Als erstes traf es die deutschen Fardados, wie sich die Mitglieder von Santo Daime selbst nennen, gefolgt von ihren niederländischen Geschwistern. Am 6. Oktober 1999 drang die Polizei während einer Zeremonie in eine Kapelle, den Schrein der Santo Daime in Amsterdam (und wartete bis Ayahuasca an die Gläubigen verteilt wurde, damit ein Gesetzesversto߸ bezeugt werden konnte). Die Leiter der holländischen Kirche wurden als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung und eines Verteilerrings von DMT beschuldigt, welches nach dem holländischen Opiumgesetz eine "gefährliche Droge ohne therapeutischen Nutzen" der Klasse 1 ist. Die beiden Kirchenleiter konnten das Gefängnis am 8. Oktober wieder verlassen.

Es gibt viele Unterschiede in der Weise, wie der Fall in Frankreich und den Niederlanden aufgenommen wurde. Die Razzia in einer Kirche, während einer Zeremonie, schockte die holländische öffentlichkeit, obwohl die Polizei den Gläubigen erlaubte, ihr Ritual fortzusetzen, wenngleich auch ohne ihr Sakrament. Ungefähr 100 Menschen demonstrierten in Amsterdam am 20. Dezember für die Legalisierung von Ayahuasca. Während des Marsches verkündetete der Anwalt der Kirche, dass das Büro des öffentlichen Anklägers, beschämt über den Skandal, das Angebot gemacht hatte, den Fall komplett zu den Akten zu legen. Santo Daime wies dieses Angebot zurück, weil die Kirche einen "klaren Entscheid vom Gerichtshof" verlangte. Zusätzlich wurde der Fall in den holländischen Medien diskutiert.

Im Gegensatz dazu haben in Frankreich nur sehr wenig Leute von der "Santo Daime Affäre" gehört. Die Kirchenleiter verbrachten drei Wochen in Haft, verglichen mit drei Tagen für ihre holländischen Kollegen. Die Polizei verkündete, dass sie alle 40 Mitglieder des Zweiges der Kirche in Frankreich vernehmen will. Wie verlautbart wurde, hatte die Polizei die Telefone einiger Kirchenmitglieder angezapft. Es gibt zwei Zweige der Santo Daime in Frankreich; einen in Paris und der andere in Marseilles. Jede dieser Kultgemeinschaften müsste als eine Vereinigung unter französischem Recht eingetragen sein. Zum Zeitpunkt der Razzia hatte die Pariser Gruppierung ihre Registrierungsprozedur noch nicht vollendet, aber Beiträge von ihren Mitgliedern gesammelt, sowie etwa 150 Francs (ca. 50 DM) Gebühr pro Zeremonie. Deshalb muss die Vereinigung zusätzlich zum Drogenhandel (das Ayahuasca wurde aus Brasilien importiert), mit einer Klage wegen Veruntreuung rechnen. In Frankreich demonstrierte niemand für die Kirche. Aber der Fall veranlasste eine intensive Mobilisierung der europäischen Fardados, und Repräsentanten aus verschiedenen Ländern haben sich getroffen, um ihr weiteres Handeln zu organisieren. Sie wollen, dass ihre Religion offiziell anerkannt und ayahuasca legalisiert wird.

 

Ist Ayahuasca eine Droge oder nicht?

Obwohl seine aktiven Inhaltsstoffe halluzinogen und verboten sind, kann Ayahuasca nicht ohne weiteres als gefährliche Droge klassifiziert werden, weil es praktisch niemals rekreational, sondern für spirituelle und/oder therapeutische Ziele innerhalb eines strikten rituellen Rahmens eingenommen wird.

Dr. Jacques Mabit zufolge, Gründer des Takiwasi Drogenentzugs Zentrum im peruanischen Amazonasgebiet, welches von der überministerialen Mission für den Kampf gegen Drogen und Sucht der französischen Regierung subventioniert wird, wird Ayahuasca von "Männern, Frauen und sogar Kindern eingenommen. Es entwickelt keine Abhängigkeit. Es ist ein Purgativum, welches spektakuläre aber vorhersehbare und harmlose Anfälle von Durchfall und Erbrechen auslösen kann. Zur gleichen Zeit induziert es verstärkte Zustände des Bewusstseins, und es besitzt aus diesem Grunde seine psychotherapeutischen, traditional magischen und religiösen Applikationen."

Dr. Mabit, der Ayahuasca benutzt, um seine Patienten zu behandeln, fügt hinzu: "Es ist falsch, zu sagen, das der geringste Fehler in der Dosierung tödlich sein kann; im Falle einer Überdosierung erbricht der Patient und beseitigt so die Substanz. Ayahuasca sollte in einem kontrollierten Umfeld als ein Instrument zum Erkunden von Bewusstseinszuständen genutzt werden, nicht als Unterhaltung. Es muss vorsichtig benutzt werden, nicht wegen seiner potentiellen Giftigkeit, die quasi non-existent ist, sondern weil es schwierig ist, veränderte Bewusstseinszustände zu kontrollieren. Dies ist eine Ãœbung, die die Führung eines Meisters, eines Spezialisten in diesen Dingen erfordert."

Vor allem müssen Anwender physisch und psychologisch auf die Einnahme von Ayahuasca vorbereitet sein. So sollte die Tage vor der Einnahme eine strikte Diät eingehalten werden. Ayahuasca hat einen ausgesprochen ekligen Geschmack, so sehr, dass einige Leute sich nicht dazu bringen können, es zu trinken, was eine zusätzliche Hürde eines Missbrauchs darstellt. Trotz der Tatsache, dass Forscher einiges Licht auf die aktiven Bestandteile und deren Interaktionen mit dem menschlichen Körper werfen konnten, hüllen sich viele Eigenschaften von Ayahuasca noch ins Unbekannte. So ist zum Beispiel nicht bekannt, warum die Visionen, die der Trank schenkt, häufig Motive einer amazonischen Dschungel Szenerie beinhalten, samt Begegnungen mit Tieren wie dem Jaguar und der Schlange.

Dr. Mabits Entgiftungszentrum ist nicht die einzige Institution, die Ayahuasca zur Behandlung von Suchtkranken einsetzt. Friends of the Forest, eine Amsterdamer Organization, erwog ebenfalls ein Entgiftungsprogramm, das den Einsatz des Trankes beinhaltete. Die besonderen Eigenschaften von Ayahuasca könnten Anregungen für die pharmazeutische Industrie bereithalten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Legalisierung von Ayahuasca eine ziemlich zweideutige Angelegenheit. In Frankreich und den Niederlanden ist sein aktiver Bestandteil, DMT, als eine gefährliche Droge ohne therapeutischen Nutzen klassifiziert. Doch als diese Klassifizierung etabliert wurde, befand sich das meiste auf dem illegalen Markt erhältliche DMT in der Form eines hochkonzentrierten, rauchbaren Kristalles, bekannt als "Trip des Geschäftsmannes", weil seine halluzinogenen Wirkungen nicht sehr lange anhielten (weniger als 30 Minuten). Heute ist diese hochreine Form von DMT extrem selten und deswegen sehr teuer. So kostet ein Gramm in Frankreich etwa 1000 Francs (ca. 170 $ bzw. 340 DM).

Das heute konsumierte DMT befindet sich fast ausschließlich in pflanzlicher Form und wird in der Regel als Pflanzentee eingenommen. Die Pflanzen, die benutzt werden, um diese Tees herzustellen, unterliegen nicht der selben Gesetzgebung wie Ayahuasca. Es ist legal sie zu züchten und zu besitzen, solange sie in ihrer natürlich vorkommenden Form verbleiben. Aber wenn Ayahuasca hergestellt wird, unterliegen die Pflanzen einem Prozess der Extraktion und Konzentration, und das daraus resultierende Getränk wird illegal.

Ein Verbot der Pflanzen, die DMT enthalten wäre schwierig, vielleicht nutzlos, und könnte zweifelhafte Folgen haben, insbesondere für die Indios, die sie nicht nur Gebrauchen sondern auch Züchten und Verkaufen. Und schließlich wachsen dutzende von Pflanzen überall auf der Welt, die DMT enthalten, und neue Spezies werden in regelmäßigen Abständen entdeckt. So enthält ein großer Teil der Akazien dieses Planeten DMT, und einige sogar recht große Mengen davon.

 

Ayahuasca Mad(e) in USA?

Was brachte die gesetzesdurchführenden Ämter mehrerer Länder dazu, auf Santo Daime zu zielen? Obwohl Santo Daime als ein Kult betrachtet werden kann, scheinen die Ziele der Kirche nicht in der Ausbeutung oder Versklavung ihrer Mitglieder zu liegen. Santo Daime erreicht neue Mitglieder nicht aggressiv, und nicht mehr als 500 Personen waren in die Bewegung involviert, seit sie in den späten achtziger Jahren begann, in Frankreich zu operieren. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Polizei handelte, um die öffentlichkeit vor einer gefährlichen Sekte zu schützen. In den Niederlanden wurden Fardados des Drogenhandels und der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation angeklagt (natürlich wird der letztere Anklagepunkt auch in Frankreich erhoben werden, zusätzlich der bereits erwähnten Veruntreuung). Wenn Santo Daime eine mit Drogen handelnde kriminelle Vereinigung ist, warum warteten dann die französischen Autoritäten und ihre europäischen Kollegen so lange, bevor sie intervenierten?

Quellen zufolge, die der peruanischen Botschaft in Paris nahe stehen, ist diese Anti-Ayahuasca Kampagne eine Reaktion auf amerikanischen Druck auf Europa, wobei die Meinungen auseinander gehen, was Washington dazu motivierte. Einige sehen einen Ausbruch von Anti-Drogen Hysterie, ähnlich der Panik, die die USA überfiel, als bekannt wurde, dass einige der in Somalia postierten GIs die Gewohnheit der Einheimischen angenommen hatten, Khat zu kauen. Andererseits erlaubt das Recht der Vereinigten Staaten den Gebrauch von Peyote in den synkretistischen Zeremonien der Native American Church. Wieder andere vermuten die Ursache in machiavellistischen Absichten der Amerikaner, sich von den natürlichen Substanzen zu befreien, die mit den Produkten ihrer pharmazeutischen Industrie konkurrieren.

Es war im Jahre 1986, als Loren Miller von der Firma International Plant Medicine ein Patent auf Banisteriopsis caapi ausgestellt bekam, das ihr die exklusiven Rechte am Verkauf und der Entwicklung neuer Varietäten der Gattung zusprach. Um das Patent zu erlangen, hatte Miller einfach eine Yage Pflanze aus dem Garten einer ecuadorianischen Familie ausgerissen, ohne auch nur um Erlaubnis zu fragen. Sie kehrte damit in die USA zurück und wendete sich an das Patent und Trademark office (PTO). Das in Ecuador beheimatete Koordinations Komitee der Native Organizations of the Amazon Bassin (COICA) protestierte, als es 1996 von Millers Absichten Wind bekam. Der Protest war lange Zeit vergeblich. Schließlich erkannte die PTO 1999 doch die Unzulänglichkeit der amerikanischen Gesetzgebung an und lies Millers Patent fallen. Zwischenzeitlich hatte die COICA verkündet, dass Miller und ihre Firma "Feinde der Eingeborenen" seien, und das es ihnen Verboten sei, "das Territorium der Eingeborenen zu betreten." Dieses Statement wurde von der Aussage der Inter-American Foundation, einem Entwicklungshilfe Büro der US-Regierung, gekontert, dass es alle zukünftige Unterstützung für die COICA überdenken werde. Wegen des Skandals verweigerte die ecuadorianische Regierung 1996 die Unterschrift zu einer bilateralen Ãœbereinkunft über geistige Eigentumsrechte mit den USA, welche die U.S. Patent-Gesetzgebung auch in Ecuador anwendbar gemacht hätte. Washington drohte daraufhin mit wirtschaftlichen Sanktionen. In gleicher Manier haben die Vereinigten Staaten auch Thailand und Südafrika mit Sanktionen gedroht, sollten diese Länder damit beginnen, billige Medizin für ihre AIDS-Patienten herzustellen. Die Patente für die betroffenen Moleküle gehören nämlich amerikanischen Firmen. Trotz einer Direktive der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die solche Patente im Falle einer globalen Epidemie, wie sie bei AIDS vorliegt, außer Kraft setzt. Dies illustriert die wachsende Macht der pharmazeutischen Industrie. Schließlich verweigerte der U.S. Senat die Ratifizierung der U.N. Konvention über biologische Vielfalt, welche die Eigentumsrechte von Stammesangehörigen anerkannte. Diese Konvention war von mehr alls 100 Nationen unterschrieben worden, einschließlich Ecuador.

Es kostete die amazonischen Indios drei Jahre, ihren Fall zu gewinnen. Sollte jedoch eine Firma ein synthetisches Yage oder Chacruna entwickeln, werden die Patente gewährt werden und die Profite könnten fließen.

 

Das Internet rettet die alten Götter

Ayahuasca ist kein isoliertes Phänomen. Während das neue Millenium die Angst hochschlagen lässt, dass alle möglichen gefährlichen synthetischen Drogen sich ausbreiten werden, erleben wir ein Revival des Paganismus und der spirituelle Gebrauch traditioneller Pflanzen kehrt von überall auf der Welt durch das Internet zurück in die Technologiegesellschaft. Obwohl die Stammeskulturen niemals aufgehört haben, diese Pflanzen zu nutzen, trotz westlicher Versuche den Gebrauch auszurotten, wächst der Enthusiasmos für diese Pflanzen paradoxerweise mit hoher Geschwindigkeit in der westlichen Welt.

In der neuerlichen Vergangenheit, als es das Internet noch nicht gab, war es notwendig weit zu reisen oder die richtige Person zu kennen, um mit diesen Pflanzen zu experimentieren; die Informationen waren für den Uneingeweihten schwer zugänglich. Internet veränderte dies, in erster Linie, indem es Information leicht zugänglich machte. Eine große Zahl von Websites spezialisiert sich auf ein Angebot von ethnologischen, historischen und biologischen Daten über die Pflanzen und ihren Gebrauch. Psychonauten und Kellerschamanen aus der ganzen Welt tauschen Informationen in Diskussionsgruppen, während sie auf "Trip Report" Seiten ihre Erfahrungen mitteilen. Wollen Sie eine Pflanze erwerben, die 10000 Milen von ihnen entfernt wächst? Im Web kein Problem. Viele Seiten, die Pflanzen per Post verkaufen, die natürlich keinefalls für den Konsum gedacht sind, tauchten im Gefolge der Informations-Webseiten auf den Bildschirmen auf. Die meisten von ihnen befinden sich in den USA. Neben Yage und Chacruna verkaufen sie andere Pflanzen, aus denen Ayahuasca hergestellt werden kann, als auch psychotrope Pflanzen aus allen fünf Kontinenten wie San Pedro und Peyote Kakteen, Kava Wurzeln, Fliegenpilze, Ephedra, Datura, Tabak, Wahrsagesalbei, "Traumkräuter", etc.. Eine Variante des Chacruna, der eine größere Potenz als den amazonischen Arten nachgesagt wird, wird auf Hawaii gezüchtet.

 

 

Buchstäblich sind hunderte dieser Pflanzen über das Netz erhältlich, und natürlich fehlen auch nicht die Samen der meisten dieser Pflanzen, zusammen mit Sporen der Zauberpilze (Psilocybe) aus allen Gegenden des Planeten samt den Paraphernalia, die nötig zu ihrer Aufzucht sind. Sind die Pilze auch in den meisten Ländern illegal, so sind doch ihre Sporen handelsfähig. Einige amerikanische Seiten bieten synthetische Versionen der aktiven Bestandteile von Pflanzen an, wie etwa 5-MeO-DMT, ein starkes Halluzinogen, welches im Gift der sonorischen Wüstenkröte vorhanden ist. Der Preis liegt bei etwa 300$ per Gramm.

In einem Interview zum Santo Daime Skandal, äußert sich Prof. Wolff vom akademischen Krankenhaus in Leiden, Toxikologe und Berater des niederländischen Gesundheitsministeriums: "Dies ist ein komplizierter juristischer Widerspruch, und um ehrlich zu sein, niemand hat mir jemals erklären können, warum diese Substanzen sich auf Liste 1 des Opium Gesetzes befinden. Dies gilt meiner Ansicht nach auch für Psilocyn und Psilocybin! Wir begegnen hier einer bestimmten Gruppe von Substanzen, größtenteils pflanzlichen Ursprungs, die das menschliche Bewusstsein verändern, aber keine problematischen Nebenwirkungen aufweisen. Wir wissen von fast allen diesen Stoffen, dass sie keine Sucht auslösen und dass die Leute keine Entzugserscheinungen entwickeln, wenn sie mit dem Gebrauch aufhören. Ich verstehe nicht, warum solch ein Wirbel um Substanzen veranstaltet wird, die sogar weniger schädlich als Marihuana sind."

Nach den Diskussionen beurteilt, die in Chat-Gruppen zu verfolgen sind, sehen die meisten Nutzer die psychotropen Pflanzen nicht als Drogen, sondern als Werkzeuge für Meditation und Selbsterforschung oder als Sakramente. Diese Pflanzen und ihre Moleküle werden in der spezialisierten Literatur als "entheogen" ( das Göttliche im Inneren offenbarend) bezeichnet, nicht mehr als halluzinogen, und normalerweise werden sie in einem ritualisierten Umfeld eingenommen. Viele Nutzer von Entheogenen stellten den Gebrauch von verbotenen Drogen (außer Cannabis) ein, selbst den Freizeitgebrauch. Dies ist höchstwahrscheinlich mehr als nur ein New Age Spleen, vielleicht eine Rückkehr zu grundlegenden Prinzipien. In einer Zeit, in der Technologie und Geld die neuen Gottheiten sind, während das "Opium des Volkes" sich als unfähig erwiesen hat, den Menschen Glück zu bringen, finden die Religionen aus der alten Zeit einen fruchtbaren Boden, auf dem sie gedeihen, indem sie ein allgemeines spirituelles Vakuum ausfüllen. Besonders, da sie keine Hierarchie und Dogmen beinhalten, sondern eine private Form der Spiritualität, die auf täglicher Basis durch den Gebrauch von Pflanzen entwickelt werden kann. Eine neue Stufe in der Ausbreitung dieser Art zu leben hat Europa erreicht, wo die "Santo Daime Affäre" eine Debatte über die religiöse Freiheit in Gang gesetzt hat, wenn sie den Gebrauch einer verbotenen Frucht beinhaltet.

- Übersetzung: Silvio Rohde -

©2000 dieses Artikels bei Aymeric Longi, Forscher am Observatoir geopolitique des Drogues (OGD). Dieser Text wurde ursprünglich im  jahrlichen Bericht der geopolitical drug watch 1998-1999 veröffentlicht, der auf der Website der OGD zugänglich ist.

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