pharmakeia wurde zuletzt aktualisiert 2008 (dabei bleibts wohl auch)

pharmakeia.com *1999 - † 2008

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Entheogene Pflanzen in Religion und Ritual

Zu allen Zeiten sind psychoaktive Substanzen wie Ayahuasca, Teonanacatl (Magic Mushrooms), Soma, Peyote, Salvia Divinorum, Iboga etc. vom Menschen zu verschiedenen Zwecken genutzt worden. Besonders signifikant ist ihre historische und zeitgenössische Nutzung als Medium der Kommunikation mit den numinosen Bereichen der Wirklichkeit. Werden psychoaktive Pflanzen in solch einem religiösen Kontext verwendet, werden sie in der neueren kultur- und religionswissenschaftlichen Diskussion Entheogene genannt.

Magic Mushroom Gott aus dem Tassili?

 Entheogene sind Pflanzen, die in einem Individuum bei entsprechend elaborierter Anwendung, die subjektive Erfahrung der Begegnung mit einer spirituellen Dimension der Wirklichkeit hervorrufen, d.h. primärreligiöse Erfahrung induzieren. Entheogene Pflanzen ermöglichen, wenn sie verantwortungsvoll und respektvoll genutzt werden, eine Rückbindung an den Geist der Natur und der Erde, d.h. sie sind Religion (von lat. religare;  "anbinden, zurückbinden" an einen universellen göttlichen Ursprung oder an ein sonstiges Höheres) im ursprünglichen etymologischen Sinne des Wortes.

Soma Magic Mushroom der Veden

 

Pharmakeia.com ist ein Forum, das der spirituellen und wissenschaftlichen Information über diese vielfach als heilig angesehenen Pflanzen dient, deren religiöser Gebrauch in den meisten westlichen Industriegesellschaften immer noch verfolgt und geächtet wird.

Die Brisanz dieses Themas wird gegenwärtig exemplarisch an den Vorfällen um Ayahuasca und die europäischen Anhänger der Santo Daime Religion. Eine Zusammenfassung der Ereignisse liefert der Artikel: Ayahuasca: Vom Amazonas in die Dschungel der Städte von Aymeric Longi, Forscher am geopolitischen Observatorium für Drogen in Paris.

Ayahuasca Trinker in der Uniao do VegetalAyahuasca Ritual der Barquinha, einer Abspaltung der Santo  Daime Religion

 

Es ist Zeit für eine Kurskorrektur in der offentlichen Wahrnehmung des spirituellen Umgangs mit diesen Pflanzen. Es handelt sich hier in keiner Weise um die Gesellschaft fragmentierende "Drogen-Kulte", sondern um die verantwortliche und sinnvolle Instrumentalisierung bestimmter Pflanzen zur Exploration des Bewußtseins. Religiöse Rituale bieten dafür einen sicheren Rahmen, der wissenschaftlich erwiesen ist. In einer demokratischen Kultur kann und darf es keine dogmatische und auf unbewiesenen Tabus basierende Stigmatisierung von religiösen Menschenrechten geben. Auch kann es sich unsere Kultur nicht länger erlauben, das religiotherapeutische Potential von Entheogenen zu ignorieren. Ein zunehmender Teil der Weltbevölkerung wird sich heute der Notwendigkeit einer kulturellen Reintegration der entheogenen Erfahrungsdimension bewußt, um der zunehmenden Entfremdung von unserer natürlichen Umgebung entgegenzuwirken, und die durch Entheogene mögliche Erfahrung der Verbundenheit zwischen Geist und Materie zu revitalisieren.

San Pedro Kaktus - Ein Entheogen aus Peru

Es geht hier nicht zentral um eine Legalisierung von Drogen. Drogen führen meist in Abhängigkeitskreisläufe, in die zunehmende Entfremdung vom Selbst sowie von Gesellschaft, Staat und auch Natur. Von der Pharmaindustrie entwickelte und patentierte Bewußtseinsverenger wie Heroin, Kokain oder Prozac leisten primär keinen Beitrag zur Selbsterkenntnis, und ermöglichen auch keine mystische Offenbarung der Verbundenheit allen Lebens auf diesem Planeten. Weiterhin eröffnen sie keine Perspektiven für einen sinnvollen Beitrag eines Individuums zur Verbesserung der eigenen und kollektiven Lebensqualität. Sie fördern kein Leben in liebevollem und harmonischem Respekt zu allen Aspekten der Schöpfung.

Ayahuasquero in Suedamerika bei der Herstellung von Ayahuasca

Natürlich kann man darüber geteilter Meinung sein, ob Kriminalisierung hier der geeignete Weg ist, das Problem in den Griff zu bekommen. Ich meine, dass die Gesetze auch hier vielfach mehr Schaden als Nutzen anrichten, und Probleme erst konstruiert werden. Es sind weniger die Drogen, als die Unfähigkeit einer Kultur, bestimmten Stoffgruppen ein sozial verträgliches Gebrauchsumfeld zuzuweisen, die Probleme schaffen. Doch dies ist hier, wie gesagt, nicht das Thema.

Es geht hier vielmehr um die Erkenntnis der Unhaltbarkeit der naiven und nicht begründbaren Gleichsetzung von geistoffenbarenden Sakramenten mit Betäubungsmitteln, um die Kriminalisierung von Molekülen, die einen konstruktiven Beitrag zur vollen Entwicklung des Potentials der Selbstheilung des Menschen und der Kultur leisten können, wenn sie in einer verantwortungsvollen Weise zur Anwendung gelangen.

Peyote-Kaktus: Das heilige entheogene Sakrament hundertausender Ureinwohner Nordamerikas

Verantwortungsvoll bedeutet dabei natürlich nicht den "wilden" Konsum von psychoaktiven Pflanzen zum Zwecke der Berauschung und des Lustgewinns. Zwar kann es auch hier hin und wieder zu spirituellen Erfahrungen kommen (die jedoch vielfach nicht in den Alltag integriert werden können), dieser Gebrauch bringt jedoch zwei Probleme mit sich: Einerseits entsteht die Gefahr, dass bei einem nicht rituellen Gebrauch, ohne eine die Erfahrung leitenden und stützenden Rahmen, latent vorhandene psychische Problematiken ins Bewußtsein gelangen, und nicht entsprechend aufgefangen bzw. bearbeitet werden können. Zweitens trägt der willkürliche Gebrauch ohne entsprechende Vorbereitung und respektvolle Annäherung zu einer Profanierung der heiligen Pflanzen und der durch sie erschlossenen Erfahrungsräume bei, so dass die Besonderheit und Einzigartigkeit dieser Erfahrung zu einem Konsumgut reduziert wird, und schließlich ihr großartiges Potential nicht mehr erkannt wird. Es gibt keinen beklagenswerteren Verlust, als den des Heiligen für eine Kultur. Aus diesem Grunde setze ich mich für eine vorurteilsfreie Diskussion der kulturellen Reintegration von Pharmakeia ein, der alten Kunst des bewußten Umgangs mit entheogenen Pflanzen.
 

im oktober 1999

 

 

Ipomea purpurea - Ein Entheogen aus Mexiko

 

"Der Verlust der Verbindung zum ekstatischen Prozess,
der Verlust einer einfachen Brücke zwischen dem Bewußten
und dem Unbewußten, ist der Beginn der Neurose, der Verlust
der Verbindung zur Heiligen Mutter, zu der irrationalen Stimme
unserer Gefühle, dem Urquell unseres Genius.

Das Letzte, was die griechischen Sklaven besitzen sollten,
war genuine Inspiration, so wurde ihnen der Inhalt des heiligen
Tranks vorenthalten. Wir sind alle griechische Sklaven geworden.
(...)

Die klassische griechische Vorstellungswelt wurde
von den Römern in das orthodoxe Christentum
umgewandelt, welches die vorgeschriebene Religion der
späten römischen Sklavenstaaten wurde, danach auch aller
mittelalterlichen europäischen Sklavenstaaten,
sowie die theologische Begründung für die
euroamerikanische Theokratie der Industrie.

Kannabis, wie die Griechen die Pflanze aus dem Hanfsamen nannten, sakrale Pilze,
Koka-Blätter, Peyote und die anderen alten Pflanzensakramente
gehören zu den am einfachsten zugänglichen Toren
zum Propriozeptiven (der Wahrnehmung des Körpers, A.d.Ü.) und Orakelhaften.
Sie sind der Urquell der Kreativität und des Gaiabewußtseins,
welches die Industriekultur so verzweifelt braucht.
Ohne institutionalisierten oder zumindest
legalisierten Schamanismus, der eine adaptive Technik
des Paläolithikums ist, riskiert die politische Kultur
des Menschen die Herrschaft durch das suizidal-roboterhafte,
wie unser wiederholt vollbrachter Genozid und unser
praktisch institutionalisierter Ecozid es anzeigen.
Es ist das Tribale, das Säugetierartige, der kreative Teil unserer
Psyche, der empfindsam für unsere biologische Beziehung zur Erde ist.
Kommt die globale politische Kultur erfolgreich mit der
industriellen Destabilisierung der Ökosphäre zurecht? Ungemilderte
industrielle Werte sind ein Pfad in den evolutionären Suizid.

Peyote Jagd bei den Huichol in Mexico

Die alten schamanischen Brücken müssen wieder begehbar
werden; den bekannten Stammeskulturen muss aufmerksam
zugehört werden. Die evolvierte industrielle Politik zu
humanisieren wird genauso schwierig sein, wie die
Heilung der beschädigten Ökosphäre und die ökologische
Umwandelung der Industrie. ´Der Schamane der Teleuten
ruft die Seele eines kranken Kindes mit den folgenden Worten
zurück: Komm zurück in dein Land! ...in die Hütte an das helle
Feuer!...Komm zurück zu deinem Vater...deiner Mutter!... .
Nur wenn die Seele nicht zurück will, oder nicht zurück
zu ihrem Platz im Körper kann, geht der Schamane los, um
nach ihr zu suchen. Er steigt in das Reich der Toten hinab, um sie
zurückzubringen. ´ Daher Geschichtsschreibung."

(Dan Russell - Shamanism and the Drug Propaganda)

Magic Mushrooms Psilocybin Zauberpilze aus dem Tassili

 

 

 

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