Entheogene Pflanzen in Religion und RitualZu allen Zeiten sind psychoaktive Substanzen wie Ayahuasca, Teonanacatl (Magic Mushrooms), Soma, Peyote, Salvia Divinorum, Iboga etc. vom Menschen zu verschiedenen Zwecken genutzt worden. Besonders signifikant ist ihre historische und zeitgenössische Nutzung als Medium der Kommunikation mit den numinosen Bereichen der Wirklichkeit. Werden psychoaktive Pflanzen in solch einem religiösen Kontext verwendet, werden sie in der neueren kultur- und religionswissenschaftlichen Diskussion Entheogene genannt.
Entheogene sind Pflanzen, die in einem Individuum bei entsprechend elaborierter Anwendung, die subjektive Erfahrung der Begegnung mit einer spirituellen Dimension der Wirklichkeit hervorrufen, d.h. primärreligiöse Erfahrung induzieren. Entheogene Pflanzen ermöglichen, wenn sie verantwortungsvoll und respektvoll genutzt werden, eine Rückbindung an den Geist der Natur und der Erde, d.h. sie sind Religion (von lat. religare; "anbinden, zurückbinden" an einen universellen göttlichen Ursprung oder an ein sonstiges Höheres) im ursprünglichen etymologischen Sinne des Wortes.
Pharmakeia.com ist ein Forum, das der spirituellen und wissenschaftlichen Information über diese vielfach als heilig angesehenen Pflanzen dient, deren religiöser Gebrauch in den meisten westlichen Industriegesellschaften immer noch verfolgt und geächtet wird. Die Brisanz dieses Themas wird gegenwärtig exemplarisch an den Vorfällen um Ayahuasca und die europäischen Anhänger der Santo Daime Religion. Eine Zusammenfassung der Ereignisse liefert der Artikel: Ayahuasca: Vom Amazonas in die Dschungel der Städte von Aymeric Longi, Forscher am geopolitischen Observatorium für Drogen in Paris.
Es ist Zeit für eine Kurskorrektur in der offentlichen Wahrnehmung des spirituellen Umgangs mit diesen Pflanzen. Es handelt sich hier in keiner Weise um die Gesellschaft fragmentierende "Drogen-Kulte", sondern um die verantwortliche und sinnvolle Instrumentalisierung bestimmter Pflanzen zur Exploration des Bewußtseins. Religiöse Rituale bieten dafür einen sicheren Rahmen, der wissenschaftlich erwiesen ist. In einer demokratischen Kultur kann und darf es keine dogmatische und auf unbewiesenen Tabus basierende Stigmatisierung von religiösen Menschenrechten geben. Auch kann es sich unsere Kultur nicht länger erlauben, das religiotherapeutische Potential von Entheogenen zu ignorieren. Ein zunehmender Teil der Weltbevölkerung wird sich heute der Notwendigkeit einer kulturellen Reintegration der entheogenen Erfahrungsdimension bewußt, um der zunehmenden Entfremdung von unserer natürlichen Umgebung entgegenzuwirken, und die durch Entheogene mögliche Erfahrung der Verbundenheit zwischen Geist und Materie zu revitalisieren.
Es geht hier nicht zentral um eine Legalisierung von Drogen. Drogen führen meist in Abhängigkeitskreisläufe, in die zunehmende Entfremdung vom Selbst sowie von Gesellschaft, Staat und auch Natur. Von der Pharmaindustrie entwickelte und patentierte Bewußtseinsverenger wie Heroin, Kokain oder Prozac leisten primär keinen Beitrag zur Selbsterkenntnis, und ermöglichen auch keine mystische Offenbarung der Verbundenheit allen Lebens auf diesem Planeten. Weiterhin eröffnen sie keine Perspektiven für einen sinnvollen Beitrag eines Individuums zur Verbesserung der eigenen und kollektiven Lebensqualität. Sie fördern kein Leben in liebevollem und harmonischem Respekt zu allen Aspekten der Schöpfung.
Natürlich kann man darüber geteilter Meinung sein, ob Kriminalisierung hier der geeignete Weg ist, das Problem in den Griff zu bekommen. Ich meine, dass die Gesetze auch hier vielfach mehr Schaden als Nutzen anrichten, und Probleme erst konstruiert werden. Es sind weniger die Drogen, als die Unfähigkeit einer Kultur, bestimmten Stoffgruppen ein sozial verträgliches Gebrauchsumfeld zuzuweisen, die Probleme schaffen. Doch dies ist hier, wie gesagt, nicht das Thema.
Es geht hier vielmehr um die Erkenntnis der Unhaltbarkeit der naiven und nicht begründbaren Gleichsetzung von geistoffenbarenden Sakramenten mit Betäubungsmitteln, um die Kriminalisierung von Molekülen, die einen konstruktiven Beitrag zur vollen Entwicklung des Potentials der Selbstheilung des Menschen und der Kultur leisten können, wenn sie in einer verantwortungsvollen Weise zur Anwendung gelangen.
Verantwortungsvoll bedeutet dabei natürlich nicht den "wilden" Konsum
von psychoaktiven Pflanzen zum Zwecke der Berauschung und des
Lustgewinns. Zwar kann es auch hier hin und wieder zu spirituellen
Erfahrungen kommen (die jedoch vielfach nicht in den Alltag integriert
werden können), dieser Gebrauch bringt jedoch zwei Probleme mit sich:
Einerseits entsteht die Gefahr, dass bei einem nicht rituellen Gebrauch,
ohne eine die Erfahrung leitenden und stützenden Rahmen, latent
vorhandene psychische Problematiken ins Bewußtsein gelangen, und nicht
entsprechend aufgefangen bzw. bearbeitet werden können. Zweitens trägt
der willkürliche Gebrauch ohne entsprechende Vorbereitung und
respektvolle Annäherung zu einer Profanierung der heiligen Pflanzen und
der durch sie erschlossenen Erfahrungsräume bei, so dass die
Besonderheit und Einzigartigkeit dieser Erfahrung zu einem Konsumgut
reduziert wird, und schließlich ihr großartiges Potential nicht mehr
erkannt wird. Es gibt keinen beklagenswerteren Verlust, als den des
Heiligen für eine Kultur. Aus diesem Grunde setze ich mich für eine
vorurteilsfreie Diskussion der kulturellen Reintegration von
Pharmakeia
ein, der alten Kunst des bewußten Umgangs mit entheogenen Pflanzen.
"Der
Verlust der Verbindung zum ekstatischen Prozess,
Das
Letzte, was die griechischen Sklaven besitzen sollten,
Die
klassische griechische Vorstellungswelt wurde
Kannabis,
wie die Griechen die Pflanze aus dem
Hanfsamen nannten,
sakrale Pilze,
Die
alten schamanischen Brücken müssen wieder begehbar (Dan Russell - Shamanism and the Drug Propaganda)
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