Die Mysterien von Eleusis: Ein entheogener Kult an der Wiege der europäischen Kultur?

Die Mysterien von Eleusis bildeten über einen Zeitraum von fast 2000 Jahren einen der zentralen religiösen Kulte des antiken Griechenlands. Die Teilnahme an ihnen wurde oft als Höhepunkt eines Lebens beschrieben, sowohl von Philosophen, als auch von Dichtern und Politikern. Die Teilnahme an den Mysterien war nur ein einziges mal im Leben eines Griechen erlaubt. Die athenischen Gesetze verlangten bei Androhung der Todesstrafe ein absolutes Schweigen über die Vorgänge in Eleusis. So ist es nicht verwunderlich, wenn G. Mylonas (1961), der langjährige Leiter der archäologischen Ausgrabungen von Eleusis, sich zu folgender Aussage gezwungen sieht: "Wir können nicht wissen, wenigstens wissen wir noch nicht, was der volle Inhalt und die Bedeutung der Mysterien Demeters war, die man in Eleusis feierte. Wir kennen Einzelheiten des Rituals, seine Bedeutung aber nicht.".

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Persephone, Triptolemos und Demeter

Trotz des Verbotes finden sich in der altgriechischen Literatur aber immer wieder kurze Andeutungen über die Eleusienen. In den Oden Pindas etwa, die im 5. Jahrhundert v. Chr. verfaßt wurden, heißt es: "Wohl ist der versehen, wer unter Wissen Eleusinischer Wahrheit in die Gruft steigt. Er kennt den Ausgang irdischen Lebens und dessen gottverliehenen Wiederbeginn". Solche sporadischen Bemerkungen finden sich zahlreich, doch eindeutiges ist kaum darunter. Die Tradition der Mysterien stand über die gesamte Zeit ihrer Existenz unter der Kontrolle zweier Hierophanten-Familien, und wurde mündlich tradiert. Aus der Rekonstruktion dessen, was man aus Andeutungen von Eingeweihten, griechischer Kunst und von Ausgrabungen aus Eleusis selbst weiß, ergibt sich etwa das folgende Bild der Mysterien.

 

Die Mysterien bestanden aus zwei verschiedenen Teilen. Das sogenannte kleine Mysterium fand alljährlich im Februar vor den Toren Athens statt, direkt im Anschluß an den dionysischen Festzyklus. Im Zuge dieser vorbereitenden Riten wurde man zum mystes, zum Initianden der im Monat September im 22km entfernten Eleusis stattfindenden großen Mysterien. Die großen Mysterien wurden duch eine Prozession von Athen nach Eleusis eingeleitet. Die verschiedenen Stationen dieser Prozession standen im symbolischen Zusammenhang mit dem Mythos der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, die als Stifterin der Mysterien von Eleusis gilt. Die sogenannte Homerische Hymne an Demeter ist die früheste literarische Quelle zu den Geschehnissen in Eleusis. Diese anonyme Dichtung stammt aus dem Jahr 700 v. Chr, als die Eleusinien also schon etliche Jahrhunderte praktiziert worden waren.

Schon im Mythos um Demeter treffen wir auf Motive, die eine mögliche Beziehung des Mysterienkultes zum rituellen Gebrauch inspirierender Pflanzen nahelegen. Der Mythos beschreibt das schamanische Motiv der Unterweltsreise von Persephone, der Tochter Demeters. Diese Reise wird ausgelöst durch das Pflücken eines tausendköpfigen Narkissos, von dem die alten Griechen glaubten, daß er seinen Namen seinen narkotischen Eigenschaften verdankte. Eine rationalisierte, von Platon überliefert Version des Mythos, schildert daß Persephone dabei von dem Mädchen Pharmakeia, deren Name wörtlich die Verwendung von Drogen bedeutet, begleitet wurde. Mit einer gewissen Berechtigung kann man also in Persephones Reise in die Unterwelt auch eine durch ein Entheogen verursachte Trancereise vermuten. Wie Carl Ruck (Wasson u. a. 1984: 52) anmerkt, ein Umstand der seltsamerweise von den klassischen Altertumsforschern nie beachtet wurde.

Oreithyia wird beim Spiel mit der Pharmakeia vom Nordwind entführt

Wenn die Pilger in Eleusis angekommen waren, wurde die Pilgergemeinschaft zu einer Festgemeinschaft umgewandelt. Bis tief in die Nacht wurde um den Jungfrauenbrunnen getanzt, wo ehemals Demeter um ihre verlorene Tochter getrauert hatte. Schließlich begaben sich die Initianden in das Telesterion, das innerste Heiligtum von Eleusis. Von den antiken Schriftstellern wird einmütig erklärt, daß dort etwas zu sehen war. Man hört von Phantasmata; geisterhaften Erscheinungen Die Erfahrung im Telesterion brachte die Pilger in den "Zustand geschaut zu haben", die Epoteia. Die Rekonstruktion der Halle ergibt, daß sie etwa für Theateraufführungen gänzlich ungeeignet war. Es ist auch eher unwahrscheinlich, daß sich die in der Theaterkunst höchst erfahrenden Griechen etwas vorgaukeln lassen haben. Die Tatsache, daß pünktlich im September eines jeden Jahres Tausende von Menschen aller Klassen, Herrscher wie Prostituierte, Sklaven wie Freie, eine mystische Vision von einer Intensität erlebten, die als Höhepunkt eines Lebens galt, nötigt fast zu der Annahme, daß im Telesterion ein Entheogen zum Einsatz kam. Zumal bekannt ist, daß von den Initianden ein besonderer Trank, der Kykeon, eingenommen wurde. Weiterhin ist belegt, daß es im Athen des Jahres 415 v. Chr. zu einem handfesten Skandal gekommen war, weil Gruppen aristokratischer Athener das Mysterium auf eigene Faust mit betrunkenen Gästen bei Abendgesellschaften feierten. Die Profanisierung bestand tatsächlich darin, daß der Kykeon getrunken wurde. Davon, daß den Priestern von Eleusis die Kräuterkunde im Blut lag, kündet eine mythologische Erzählung Platons. Dort wird Oreithyia vom Wind den Berg hinunter getragen, nachdem sie mit Pharmakeia, der bereits genannten "Verwendung von Drogen" gespielt hat. Der Enkel dieser Oreithyia war Eumolpos, der erste Hierophant von Eleusis. Das Zentrum der vorgriechischen Religionen der Ackerbauvölker war die Fruchtbarkeit der Frau und der Zyklus von Tod und Wiedergeburt in der Pflanzen- und Menschenwelt. Die Welt galt als Kind der Großen Mutter. Die Priesterinnen dieser Zeit gingen eine Kommunion mit dem Inneren der Erde ein, um die Erneuerung der Erde zu bewirken. Der männliche Gegenpol dieser Priesterinnen war der Vegetationsgeist, der sowohl ihr Sohn als auch ihr Gemahl war. Dieser Gatte der Muttergöttin überlebte in der griechischen Mythologie als Dionysos, der Gott des Weines und der Rauschdrogen. Dios ist eine Form des Wortes Zeus, und Dionysos bedeutet somit Gott von Nysa. Es geschieht auf den Ebenen unterhalb des Berges Nysa, daß Persephone beim Pflücken des Narkissos dem Hades in die Hände fällt. Auch der Narkissos läßt sich als ein Synonym für Dionysos deuten. Die Wortwurzel narki bedeutet "Müdigkeit", dieselbe Wurzel aus der auch narkotikos, "narkotisch" gebildet wird (Russell, 1998: 126). Der zweite Teil des Wortes, ´kissos´ bedeutet Efeu, von dem Pausanias sagt: "sie sprechen von dem Sänger Dionysos und von Efeu als dem selben Gott" (ebd.). Der narkotische Efeu, von dem Persephone magisch angezogen wird, ist also eine Frucht, die von dem Rauschgott Dionysos dargeboten wird. Daß Persephone von Hades entführt wird, wird verständlich angesichts der Tatsache, daß Dionyos immer wenn er seine Anhängerinnen, die Mänaden, in Besitz nahm bzw. von ihnen in Besitz genommen wurde, zum Synonym von Hades, dem Gott des Todes geriet.

Was spricht dagegen, daß die Kongregation im Telesterion das mythologische Motiv der drogeninduzierten Unterweltreise rituell nachvollzog? In der mythologischen Erzählung erfahren wir, daß Demeter den ihr in Eleusis angebotenen Wein ablehnt, womit sie ihre Ablehnung und die unstatthafte Natur der Entführung ihrer Tochter durch Hades alias Dionysos, dem Gott des Weines zum Ausdruck bringt. Statt dessen verlangt Demeter ein anderes Getränk, den Kykeon, der später auch den Initianden von Eleusis verabreicht wird. Dieses Getränk besteht, wie in der Homerischen Hymne überliefert ist, aus den Bestandteilen Wasser, Gerste und Minze. Wo könnte hier eine Zutat mit psychoaktiven Eigenschaften vermutet werden? Die Minze, blechon genannt, die gemeinhin als Mentha Pulegium identifiziert wird, ist nur schwach psychotrop. Die symbolische Bedeutung von blechon im alten Griechenland war eher die einer etwas anrüchigen Wildpflanze, und ihre Anwesenheit im Kykeon weist vielleicht symbolisch auf den illegitimen Charakter der Entführung Persephones (Wasson u.a. 1984: 132). Das entheogene Prinzip muß also in der Gerste zu finden sein. Die Gerste ist ein aus der sorgfältigen Kreuzung verschiedener Gräser entstandenes Getreide. In alter Zeit lebte man in der ständigen Sorge, die Gerste könne sich bei unangemessener Fürsorge wieder in seine wertlose wilde Form zurück entwickeln. Im Mittelmeerraum war diese primitive Getreideform das Rauschgras (Lolium temulentum), im Deutschen auch als Taumellolch bekannt. Dieses Gras leidet unter einem notorischen Befall durch den parasitären Pilz Claviceps purpurea, den man im deutschen Sprachraum als Mutterkorn bezeichnet (ebd.: 45). Wenn das Korn fault und vom Mutterkorn befallen wird, entsteht ein charakteristischer rötlicher ´Bart´. In Knossos wurden Tonsiegel gefunden, auf denen faulige Gerstenhalme zusammen mit anthropomorphen Löwenfiguren abgebildet sind. Ein Jaspis-Siegel aus minoischer Zeit (1600 v. Chr.) reproduziert den ´Bart´ zusammen mit Gerstenmotiven (Russell 1998:128).

Das Mutterkorn kommt auch auf Weizen und Gerste vor und enthält unter anderem das halluzinogene Alkaloid Ergonovin. Dieses Alkaloid ist in Wasser löslich, und es wäre den Griechen ohne weiteres möglich gewesen, daraus einen entheogenen Trank herzustellen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die charakteristische purpurnen Farbe des Mutterkorns auch die Farbe ist, die von Demeter an den Füßen und Schuhen getragen wurde. Die besonderen Wirkungen des Mutterkorns sind in Europa seit langem bekannt. Im Mittelalter traten seltsame Epidemien auf, verursacht durch Brot, das aus mutterkornbefallenem Roggen hergestellt worden war. Diese Epidemien wurden auch St. Antonsfeuer oder ignis sacer (heiliges Feuer) genannt. Die vielfältigen Beziehungen der Mutterkornalkaloide zum Mysterium der Geburt spiegeln sich zum Beispiel in ihrer medizinischen Verwendung als uterotonisches Mittel zum Herbeiführen von Geburtswehen, aber auch beim charakteristischen Erleben des eigenen Geburtsvorganges, wie er duch die psychoaktiven Eigenschaften von auf dem Mutterkorn basierenden Halluzinogenen wie LSD-25 ausgelöst wird (siehe Grof 1985). In dieser poetischen Hinsicht könnte das Mutterkorn in vollendeter Weise den unbekannten Kern des Mysteriums von Tod und Wiedergeburt darstellen, das bis zur Zerstörung des Heiligtums durch die Christen im 4. Jahrhundert n. Chr. alljährlich in Eleusis am Rande der heiligen, kornbestandenen Rarischen Ebene begangen wurde. Letztendlich bleibt die Identifizierung des Entheogens von Eleusis als das Mutterkorn jedoch spekulativ. Auch ist häufig zu hören, die Einnahme von Mutterkorn führe eher in delirienhafte Zustände als in mystische Ekstase.

Eleusis, der Ort der Mysterien

Trotzdem erscheint mir der von Gordon Wasson und dem Gräzisten Carl Ruck (1984) vorgeschlagene Lösungansatz zu den Vorgängen in Eleusis als der glaubhafteste Versuch, dem Geheimnis der Eleusinischen Mysterium einen Sinn zu verleihen. Von dem Geheimnis heißt es immer wieder, daß es geschaut werden muß und nicht mitteilbar sei. Burkert (1990: 78) weist darauf hin, daß in den Zeugnissen über Eleusis immer wieder in unerklärlicher Weise von einer bestimmten Art des Sehens gesprochen wird. Sophokles kommt nach seiner Einweihung zu der Aussage: "Dreifach glücklich sind jene unter den sterblichen, die, nachdem sie diese Riten gesehen, zum Hades schreiten; ihnen allein ist dort wahres Leben vergönnt" (Wasson, 1984: 9). Aristides der Rhetor berichtet im 2. Jhd. n. Chr, was der Eingeweihte erfahre sei "neu, erstaunlich, der rationalen Erkenntnis unzugänglich". Und weiter heißt es:"Eleusis ist ein der ganzen Erde gemeinsames Heiligtum, und von allen göttlichen Dingen, die es unter den Menschen gibt, ist es das ehrfurchtsgebietendste und das leuchtendste. An welchem Ort der Erde wurden wunderbarere Botschaften gesungen, und wo erweckten die Dromena größere Gemütsbewegungen, wo gab es größere Rivalität zwischen Sehen und Hören ?" Die hier erwähnte Rivalität zwischen Sehen und Hören ist wahrscheinlich ein Hinweis auf die bei der Einnahme von Entheogenen charakteristische Symptomatik der Synästhesie, dem visuellen Wahrnehmen von Tönen etc. Aristides spricht weiter von "unaussprechlichen Visionen", die zu empfangen das Vorrecht vieler Generationen glücklicher Männer und Frauen gewesen war. Solche Aussagen sind eindeutige und typische Belege für das Erleben mystischer Bewußtseinszustände (30). In der geschilderten Intensität treten solche Bewußtseinszustände nur selten spontan oder durch die bloße Teilnahme an Ritualen auf. Sie müßen vielmehr durch aufwendige und erst in Lehrzeiten zu erwerbende schamanische, meditative oder deprivatorische Ekstasetechniken induziert werden. Der großen Zahl von Initianden aller Klassen, die alljährlich dem Mysterium beiwohnten, waren diese Techniken mit Sicherheit nicht vertraut. Die Hinweise auf einen entheogenen Kult in Eleusis sind vielfältig. Proklos, der die Eleusinischen Mysterien selbst nicht mehr kannte, jedoch mit der Tochter des vorletzten Hierophanten befreundet war, liefert einen weiteren interessanten Hinweis für die Entheogenthese (Burkert,1990: 96): Die Weihen (teletai) bewirken eine erlebnishafte Resonanz (sympatheia) der Seele mit dem Ritual, in einer Weise, die uns undurchsichtig, die göttlich ist, so daß einige der Einzuweihenden in Panik geraten, von göttlichen Entsetzen erfüllt werden, andere aber sich den heiligen Zeichen hingeben, aus ihrer eigenen Identität heraustreten und bei den Göttern sich zuhause fühlen, im Zustand des enthusiasmos". Von Panik, göttlichem Entsetzen ist hier die Rede. Diese Art von Gefühlsregung ist eine durchaus typische Folge der angstvollen Ich-Auflösung, umgangsprachlich "Horrortrip" genannt, wie sie nach der Einnahme von Entheogenen vorkommen kann. Andererseits hören wir von einer mystischen Selbstentgrenzung, die zu einer Begegnung mit den Göttern führt. Burkert (ebd.), der der Entheogenhypothese kritisch gegenübersteht, ihr jedoch zumindest eine kurze Erwähnung in seinem Buch über die Mysterienkulte schenkt, bemerkt: "Wir können solche Erfahrung nicht zurückgewinnen und nicht rekonstruieren; daß sie möglich war, ist anzuerkennen." Burkert irrt hier. Diese Erfahrungen werden gegenwärtig überall auf der Welt tausendfach von Menschen gemacht. Teilnehmern eines Peyote-Rituals oder eines entheogenen Gottesdienstes der brasilianischen Santo-Daime Kirchen, einer Pilz-Velada in Mexiko, vielleicht auch dem von LSD berauschten Besucher einer Goaparty, würden die Aussagen der eleusinischen Mysten keinesfalls als etwas erscheinen, was ihnen fern, fremd, entrückt, nicht rekonstruierbar vorkommt. Auch das subjektive Gefühl, den eigenen Tod durchlebt zu haben, mit dem Plutarch (ebd: 77) das Erlebnis der Mysterien umschreibt, wird zum Erfahrungshorizont dessen gehören, der die profunden Wirkungen schamanischer Pflanzenmedizin kennengelernt hat. Weitere Zeugnisse von Eingeweihten, die durchaus der Phänomenologie der Rauschwirkungen von Entheogenen entsprechen, stammen etwa von Aelius Aristides (Burkert, 1990:78:): Eleusis sei "zugleich das Schauerlichste und das Lichteste von allem, was für Menschen göttlich ist ". Plutarch (ebd.) berichtet davon, daß man bei einer Weihe (telete) "die ersten Reinigungen und Verstörungen auszuhalten hat und dabei hofft, daß etwas Süßes, Strahlendes aus der augenblicklichen Angst und Verwirrung hervorgehen wird". Weiter ist hier die Rede von einer "Freude, wie sie die Initianden bei der Mysterienweihe in besonderer Weise empfinden, gemischt mit Verstörung und Bedrücktheit und doch im Bund mit seliger Hoffnung." Zu begründen ist allenfalls, wie solche Aussagen, wie die von Proklos oder Plutarch erklärbar sein sollen, ohne Rückgriff auf Heilige Pflanzen. Ekstase tritt zwar, wenn auch selten, spontan auf, aber genuine Panik und Entsetzen, gar Nahtodeserfahrungen sind nicht gerade Gemütsäußerungen, die durch rituelles Fasten, das Trinken von Gerstensaft, dem Hantieren mit heiligen Gegenständen, dem Erblicken einiger Lichteffekte und dramatischer Nachstellungen mythischer Motive hervorgerufen werden. Ich gestehe jedoch zu, daß die Vermutung, nur die kollektive rituelle Einnahme eines Entheogens könne für die überwältigenden, seelenerschütternden Auswirkungen, die den Mysterien immer wieder zugeschrieben wurden, eine hinreichende Erklärung bieten, möglicherweise zu sehr der Perspektive des modernen Menschen entspringt. Vielleich war die Empfänglichkeit des antiken Menschen für die Begegnung mit den in den Mythen geschilderten göttlichen Erlebnisräumen ungleich ausgeprägter, als wir uns das heute vorstellen können. Mögen die Tore zur ewigen, zeitlosen Dimension des Seins auch leichter zu durchschreiten gewesen sein, ungeachtet dessen gibt es zahlreiche Hinweise (siehe Russell, 1998) für die weite Verbreitung und Bedeutung heiliger Pflanzen in den antiken Kulturen des Mittelmeerraumes. Die klassische Altertumsforschung hat diesen Aspekt der Antike weitgehend ignoriert, herabgewürdigt oder übersehen. Die Gründe hierfür liegen vielleicht in einer fehlenden Vertrautheit der Archäologen und Philologen mit den Forschungsergebissen der Ethnobotanik. Möglicherweise haftet der Altertumsforschung aber auch eine bigote Vorstellung von wissenschaftlicher Seriösität an, die eine Verbindung der altehrwürdigen Kulturen des Mittelmeerraumes mit ´Drogen-Kulten´, die in der heutigen Gesellschaft hochgradig geächtet sind, unmöglich macht.


Copyright 1999 Silvio Rohde

 

 

 

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