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Das Gesundheitswissen der Alten

Dr. Walter Andritzky

Einleitung

Asklepios - Ganzheitliche Kurmedizin der Antike (Teil 1)

Hippokrates - Die Vertreibung der Geister (Teil 2)

Eleusis: Initiatischer Drogenkult und abendländische Kultur (Teil 3)

 

Asklepios - Ganzheitliche Kurmedizin der Antike

Was den chronisch Erkrankten heute Kurort und"Alternativmethoden" bedeuten, das war für den von den 'rationalen Medizin' des Hippokrates ausgesteuerten Griechen der Heilkult des Asklepios. Für seine Recherchen vor Ort besuchte der Autor Überreste von Tempel- und Badeanlagen, Gästehäusern, Theatern, Sporteinrichtungen und Gymnasien der Asklepieia in Epidauros und auf der Insel Kos.

Für die Klienten der Asklepiosheiligtümer standen ihre Traumerfahrungen in der Schlafhalle, dem Abaton (griech: das Unbetretbare) im Mittelpunkt. Dort sollte ihnen im Traum durch eine Erscheinung des Asklepios Heilung zuteil werden. Welche Klienten eher bei einem Hippokraten oder im Asklepieion landeten, läßt sich mangels statistischer Daten aus dieser Zeit natürlich nicht genau sagen. Literatur und archäologische Zeugnisse aus den Asklepieia deuten aber darauf hin, daß dort Gelähmte, Blinde, Stumme, Taube, Wassersüchtige, Frauen mit Kinderwunsch, Gichtbrüchige, Neurotiker sowie Psychotiker anzutreffen waren, also ähnliche Patienten wie beim "Wunderheiler" Jesus.
In seinem Buch zu den 'Wunderheilungen' bemerkte auch der deutsche Archäologe Rudolf Herzog, der ab dem Jahr 1902 die Ausgrabungen in Epidauros leitete, es handele sich aufgrund der komplexen architektonischen Anlagen wohl um eine Art Kurbetrieb, in den in der römischen Zeit auch ärztliche Behandlungen wie Schröpfen, Aderlass, Massagen und Klistiere integriert wurden. Da in den Anlagen sowohl das Gebären wie auch das Sterben tabu war, gab es dafür abgelegen vom heiligen Bezirk eigene Gästehäuser (katagogion), - in Epidauros mit immerhin 160 Zimmern. Bei den Zahlenangaben können wir der Klarheit halber erinnern, dass eine griechische Stadt etwa 3000 Einwohner hatte.

Im Baden-Baden der Antike

Schon aus den Überresten und Inschriften der wenigen, bislang ausgegrabenen Asklepieia lässt sich ein lebendiges Bild des damaligen Kurbetriebes gewinnen. Durch eine architektonische Dramaturgie wurden die Hilfesuchenden auf das Kommende eingestimmt: Noch heute lässt sich bei einem Besuch im 'Baden-Baden der Antike', den grosszügigen Anlagen im Asklepieion von Kos leicht nachvollziehen, wie der Kranke im "Parterre" der stufenartigen Anlage eintrat, sein Opfer vollzog, dann zu den Schlafsälen auf der mittleren Plattform hinaufstieg und über sich stets
den Asklepiostempel auf der obersten Plattform vor Augen hatte.
Im zweitwichtigsten Asklepieion in Epidauros befand sich im 25 Meter langen Asklepiostempel eine 6 Meter hohe Goldelfenbeinstatue, die den Gott sitzend, eine Hand den Kopf einer Schlange berührend darstellt. Daneben sein zweites heiliges Tier, ein Hirtenhund, in dessen Gesellschaft der Gott der Sage nach aufwuchs. Überall waren Bildtafeln angebracht, die von erfolgreichen Heilungen künden. Für Epidauros schildert der Geschichtsschreiber Pausanias sechs Marmorstelen, auf der Insel Delos wurden 97 solcher Bildtafeln gefunden. Die mit deren Botschaften systematisch erzeugte 'Hoffnung' und Enthusiasmus bei den Pilgern haben sich nach einer Untersuchung der Freiburger Parapsychologin Strauch aus den 60-er Jahren und zahllosen späteren Studien über den gesundheitsfördernden Effekt von 'Optimismus' als durchaus 'medizinisch sinnvoll' herausgestellt: das Immunsystem wird dadurch gestärkt und die vegetativen Funktionen, das Wechselspiel des sympatischen (aktivierenden) und parasympatischen (Ruhefunktionen) Nervensystems, ausgeglichen.

Doch folgen wir unserem Kranken ein Stück weiter. Nach seiner Ankunft unterzog er sich am Brunnen einer Reinigung, durchschritt ein Tor mit einem Sinnspruch, sah Skulpturen mythischer Götterfiguren, von Weihe- und Dankgaben Geheilter überquellende Tempel, und brachte das schon erwähnte Opfer dar. Als weitere Zeichen für geglückte Heilungen hingen zahllose Votive von Gliedmaßen, Füßen, Armen mit Händen, Köpfe, Augen, innere Organen, Brüsten und Genitalien an Schnüren. Sein anfänglicher Gemütszustand der Demoralisierung (den die moderne Psychotherapieforschung als 'kleinsten gemeinsamen Nenner' für die Klienten herausgefunden hat) , wich aufkeimender Hoffnung. Weihreliefs zeigten ihm, wie Asklepios den Kranken berührt, ihm ein Heiltrank gibt oder operiert. Auch über die vermutlich allenthalben unter den Kranken kursierenden Geschichten von Traumerscheinungen und Wunderheilungen wurde ein mentales Erwartungsmuster geschaffen, das die vor ihm liegenden Traumerfahrungen mitbestimmte. Gegen Abend wurden die Kranken nun in den Schlafsaal geleitet, wobei sie über die zu erwartenden
Traumgesichte bereits informiert waren: daß ihnen der Gott selbst erscheinen würde, Tiere und Helfer ihn begleiteten.

Kultur als Medizin

Während der Kranke in einem (psychiatrischen) Krankenhaus von den Angeboten der "Kultur" heutzutage vollständig abgeschnitten ist und deren Angebote wie Theater, Sport, Literatur, Konzerte, religiöse Kulte etc. auch als nebensächlich für eine Heilung gelten, hielten es die alten Griechen genau umgekehrt damit: Die Asklepieia waren erstklassige Kulturzentren mit Sporteinrichtungen, Arenen, den besten Theatern des Landes, Bädern und Tempeln. Im Stadion von Epidauros fanden (ähnlich Olympia) z.B. alle vier Jahre die 'Asklepien' statt, sportliche und musische Wettkämpfe, welche Besucher aus ganz Griechenland anlockten. Wenn seit 1954 das als 'beste Freilichtbühne der Welt' geltende Amphitheater von Epidauros jährlich aufs neue tausende von Festivalbesuchern zu den Aufführungen der antiken Dramen anzieht, so erweist sich, was den Griechen die Anlage ihrer Asklepieia wert war: der gelegentlich auch ärmliche Kranke erfuhr hier in 'konzentrierter Form' die Essenz griechischer Hochkultur als Heilmittel. 'Ganzheitlichkeit' wurde also auch als Zur-Verfügungstellen der wertvollsten Elemente einer Kulturepoche verstanden, ein in unserem steril-kalten Krankenhauswesen ganz unbekannter Wirkfaktor.

Nur in manchen europäischen Kurorten aus dem 19. Jh. mit ihren Wandel- und Trinkhallen, Kurtheatern, -bibliotheken und -konzerten, gepflegten Parks und Pavillons hat sich ein Nachklang dieser Errungenschaften der Antike erhalten. Leider lässt unsere Gesundheitspolitik, welche ihre Ausgaben nun auf High-Tech-Medizin konzentriert, die von der Todesangst lebt, diese weltweit einmaligen Heilorte -trotz inzwischen nachgewiesener Effizienz- eingehen oder 'medikalisiert' den vormals auch kulturorientierten Kuraufenthalt.

Umso bemerkenswerter ist es daher, dass das Asklepieion von Epidauros, welches im 4. Jhd. vor Chr. seine Blütezeit hatte, nicht wie viele andere Heiligtümer im 2. nachchristlichen Jhd. einen Niedergang erlebte, sondern sich durch neue Bauwerke und Schenkungen ausdehnte. Erst 30 Jahre nach dem Einfall der Ostgoten unter Alarich, nachdem der heilige Bezirk nochmals mit einer neuen Mauer umgeben wurde, stellte der christliche Kaiser Theodosius II den Kult im Jahr 426 ein.

Die Traumheilungen

Gegen Ende des 4. Jh. v. Chr. wurden auf sechs Marmortafeln des Asklepieions von Epidauros von Priestern 70 Heilungsberichte aufgezeichnet, die uns detaillierte Auskunft über die Geschehnisse in den 'Traumhäusern' geben. Man hat diese "Wunderstelen" auch treffend als Werkzeuge betrachtet, um den Glauben und die Hoffnung der Klienten zu stärken. Sie haben darin eine auffallende Ähnlichkeit mit den sog. Mirakelbüchern, die den Pilgern an süddeutschen Wallfahrtsorten im 18 Jh., nach Krankheiten sachlich geordnet, zum Kauf angeboten wurden. An 25 von 280 bayrischen Wallfahrtsorten fand der Wallfahrtsforscher Kriss solche Aufzeichnungen. Vom Hl. Rasso in Grafrath sind zwischen den Jahren 1444 und 1728 n. Chr. allein 12800 solcher Berichte aufgezeichnet worden, von St.Salvator bei Betbrunn von zwischen 1573 und 1754 n. Chr. über 7900.

Was den Realitätsbezug der Wunderberichte von Epidauros angeht, so sind die Diagnosen wie stumm, blind, lahm etc. auch nach antiken Begriffen laienhaft. Die Heilung zeichnet sich in den meisten Fällen durch Schnelligkeit aus: Ankunft im Heiligtum, Heilschlaf (Inkubation) und Traum, geheilt Erwachen, Abreise. Zur Einschätzung der tatsächlichen Erfolge ist kritisch zu berücksichtigen, daß
- die Aufzeichnungen von den Priestern und nicht den Kranken stammen,
- sie sich auf subjektive Berichte stützen,
- der weitere Verlauf nach Abreise (z.B. Rückfälle) unbekannt bleibt,
- eher symptomatische Prozesse wie Schmerzlinderung, Abgang von Parasiten oder die Öffnung eines Abszesses als Heilung gewertet werden.

Wer waren nun die Patienten und ihre Heilträume an diesen antiken Kurorten? Die Berichte benennen z. B. folgende Störungen:
-Kinderwünsche: die Schwängerung vollzieht sich im Traum durch Berührung des Gottes, durch eine Schlange, die auf dem Bauch liegt bzw. durch den Gott in Schlangengestalt selbst. Da die Schlange transkulturell in Brauch und Mythos als Phallussymbol fungiert, wird die
Schwangerschaft offenbar durch die Aktualisierung eines archetypischen Symbols ermöglicht, das psychophysiologische Prozesse auslöst.
- Chirurgie: Bei vier Klienten wurde im Traum die Bauchhöhle geöffnet und nach Entfernung von Parasiten wieder zugenäht. In seltenen Fällen wurden solche Eingriffe bis Ende des 4. Jh. vom Arzt Praxagoras in Kos tatsächlich ausgeführt. Die 'Traumoperationen' waren jedoch kein Niederschlag operativer Chirurgie, sondern volkstümlichen Wissens über innere Krankheiten.
Zu diesem Fall ist anzumerken, dass Parasiten, Würmer und andere Tiere transkulturell als Metapher für Bauch-, Kopf-, Zahn- und andere Schmerzen (vgl. im Deutschen: stechende, bohrende, nagende, schneidende Schmerzen) dienen. Sofern Traummotive und Handlungen symbolisch diese "Tiere" entfernen, entsprechen sie Erkenntnisen der modernen Placeboforschung: Im Vergleich zu 'wirklichen' Bypass-Operationen hat z.B. schon ein 'Placebo-Schnitt und -naht' eine erhebliche Funktionsverbesserung zur Folge. Die Effekte bei Depressionen und den sog. 'funktionellen Störungen' (z.B. Schmerzen, für es keine fassbaren Laborbefunde gibt) sind noch ausgeprägter.
Gehen wir davon aus, daß die Klienten von Epidauros (ebenso wie Wallfahrtsteilnehmer heute) bereits eine Auswahl 'gläubiger', d.h. leicht beeinflussbarer Personen darstellen, dann sind auch Studien von Interesse, die belegen, daß 70% dieser Personengruppe z.B. Schmerzempfindungen deutlich reduzieren können. Traumerlebnis und Symbolhandlung wirken als Placebos, die gerade bei Symptomen wie Angst, Schmerz, Tachykardie, Fieber, Phobien und Depressionen besonders wirksam sind.

Im nächsten Fall einer Mutter, die für ihre "wassersüchtige" Tochter nach Epidauros kam, zeigt der Bericht ein ganzes Set an Phänomenen, das für Geist- und Fernheilungen typisch ist. Auf einer Stele lesen wir: "Arate von Lakedonien, Wassersucht. Für diese schlief ihre Mutter, während sie selbst in Lakedaimon war, und sieht einen Traum: sie träumte, der Gott schneide ihrer Tochter den Kopf ab und hänge den Körper auf mit dem Hals nach unten; als viel Flüssigkeit ausgeflossen, habe er den Körper abgehängt und den Kopf wieder auf den Hals aufgesetzt. Nachdem sie diesen Traum gesehen, kehrte sie nach Lakedämon zurück und trifft ihre Tochter gesund; diese hatte denselben Traum gesehen."

Bei einer weiteren 'Traumoperation' läßt sich eine typische Technik der Wundererzählung, nämlich die Verschränkung von Wach- und Traumwirklichkeit als Mittel zur Erhöhung der Glaubhaftigkeit, erkennen: "Ein Mann mit einem Geschwür innerhalb des Bauches. Dieser sah im Heilraum einen Traum: es träumte ihm, der Gott befehle den Gehilfen in seinem Gefolge ihn zu ergreifen und festzuhalten, um ihm den Bauch aufzuschneiden: da sei er geflohen, sie hätten ihn ergriffen und an einen Türring gebunden. Hierauf habe Asklepios den Bauch aufgeschlitzt, das Geschwür ausgeschnitten und ihn wieder zugenäht, und er sei aus den Fesseln gelöst worden; und daraufhin kam er gesund heraus, der Fußboden im Heilraum aber war voll mit Blut".

Derart hochsuggestive -eventuell auch paraphysikalische- Phänomene werden vielfach angeführt: z.B. wurde einer Frau von Gehilfen des Asklepios im Traum der Kopf abgeschnitten, den sie aber nicht wieder aufsetzen konnten: "Inzwischen bricht der Tag herein und der Priester sieht im Wachen ihren Kopf vom Leib getrennt". Oder die Geheilten treten am Morgen mit Pfeil- und Lanzenspitzen aus dem Abaton, die ihnen der Gott im Traum aus dem Körper gezogen hatte.

Vor dem Hintergrund unseres heutigen Wissens erscheint auch die Art, wie die Träume therapeutisch eingesetzt wurden, äusserst bemerkenswert: weder wurde im Sinne von Freud eine Traumdeutung betrieben noch nach Jung'schen Archetypen geforscht. Der Patient sollte auch keine Klarträume erlernen (d.h. sich des Träumens bewusst werden, um sich dann z.B. furchterregenden Gestalten zu stellen) oder auch nur lernen, seine Träume zu erinnern. Wie schon erwähnt, wurde vielmehr eine klare Suggestion vorgegeben (Asklepios erscheint und heilt etc.), wobei sich die konkrete Lösung allerdings aus dem Unbewussten des Klienten entwickelte. Diese etwas 'manipulative' Verwendung der Traumfunktion erinnert ein wenig an Hypnose, dennoch bleibt eine Symbolfigur oder auch ein 'Geistführer' der eigentliche Therapeut. Eine solche Technik harrt im modernen Therapiewesen offenbar noch ihrer Wiederentdeckung.

Asklepios - ex oriente lux?

Im 5. Jh. v. Chr. bestanden vielfältige Kontakte hinduistischer und buddhistischer Gelehrter ins alte
Griechenland, - also noch lange bevor wir indische Buddha-Plastiken im hellenistischen Ghandara-Stil finden, - einer Hinterlassenschaft der Invasion von Alexander dem Grossen. Insofern Apollo die Überwindung des erdhaft-weiblichen symbolisiert, steht die Schlange in Form des delphischen Python als unterirdisches Spiegelbild für das ‚höhere‘, des männlich-geistigen Prinzips. Das bis heute verwendete Symbol von Asklepios' psycho-spiritueller Heilkunst, der von zwei Schlangen umwundene Aeskulap-Stab, erinnert allerdings an östliche Quellen: in der Yoga- und Tantratradition werden
die Energieströme (nadis) der Sonnen- und der Mondkraft (ida, pingala) mit der Wirbelsäule als Zentralkanal (shushumna) als aufsteigende Schlangenkraft (kundalini) dargestellt. Mit dem Aeskulapstab identische Darstellungen finden sich an hinduistischen Wallfahrtsorten, - Zufall? Vor allem aber tritt die Schlange -abgesehen vom Medusenhaupt und der Legende vom Chiron (ein Mischwesen aus Mensch und Pferd), der das Wissen der Schlangen um Heilkräuter lehrte- in der griechischen Mythologie selten auf. Wenn wir einmal annehmen, dass die in den Asklepieia gehaltenen heiligen Schlangen nicht nur eine symbolische Rolle spielten, sondern auch aufgrund der bewusstseinsverändernden Eigenschaften mancher ihrer 'Gifte' (engl. gift=Geschenk!), dann könnte das bis heute bekannte Heilwissen indischer Schlangenfarmen schon damals eine sehr konkrete Funktion gehabt haben: Wie jeder Psychotherapeut weiss, können ihre Klienten nicht 'auf Befehl' träumen und erinnern sich oft monatelang überhaupt nicht an Träume. Daher war eine rasche und sichere 'Trauminduktion' eine Grundvoraussetzung für den reibungslosen Betrieb der Asklepieia. Hierin liegt ein noch ungelöster Aspekt dieses Heilkultes. Eine Erklärung könnte darin liegen, dass es die 'Gaben der Schlangen' waren, welche die Aufgabe der 'Trauminduktion' für die Patienten erfüllten und ihren 'Energiefluss' wieder in Gang brachten. Eher unwahrscheinlich ist, dass es sich dabei um die harmlose Äskulapnatter (elaphe longissima) gehandelt hat.

Der Mythos

Wie der Anthropologe Claude Levi-Strauss, ein Begründer des modernen Strukturalismus, in vielen Büchern darlegte, wird die Deutung von Kult- und Alltagswirklichkeit erst verständlich, wenn wir die zugrundeliegenden Schöpfungsmythen und Legenden einer Gesellschaft kennen. Wer also war Asklepios? Im Gebiet von Epidauros wurde er als Sohn des Apollo von Koronis, einer Tochter des Epidaurers Phlegyas geboren. Seine Mutter setzte ihn im Gebirge aus, wo er von einem Hirten gefunden und in Gesellschaft des Hirtenhundes aufwuchs, genährt von einer Ziege. Das 'Ausgesetztsein' und Aufwachsen bei Tieren oder Fremden verbindet Asklepios mit zahlreichen anderen Kulturheroen wie Herkules, Perseus, Jason oder Ödipus. Schon damals erschien das Verwobensein des Kleinkindes in das personale Drama einer leiblichen Mutter für die Entwicklung ethisch verantwortlicher, der Gesellschaft dienender Menschen offenbar abträglich! Ob Amme oder 'Kindermädchen': eine neutrale, aber liebevolle Person schien wichtiger als das heute von einem 'Muttermythos' noch geförderte Umklammern der Kinder. Wie aus Studien zur Persönlichkeit von Ärzten bekannt ist, scheint andererseits ein früh im Leben erfahrenes 'Liebesdefizit' Hauptantrieb zu sein, später anderen 'helfen' zu wollen. Asklepios blieb da keine Ausnahme. Nach anderer Version rettete Apollo seinen Sohn vor dem Flammentod, nachdem er durch seine Heiltätigkeit und Versuche die Sterblichkeit abzuschaffen, mit dem Totengott Hades Ärger bekam.. Der Kentaur Chiron (Mischwesen aus Pferd und Mensch) lehrte ihn, mit Hilfe von Schlangen giftige von heilsamen Kräutern zu unterscheiden.

 

Für Heilung war neben Asklepios in den Asklepieia ein ganzes Götterteam zuständig: die Göttinnen der Jagd (Artemis) und der Liebe (Aphrodite), der Gott des Schlafes Hypnos, Asklepios' Schwester Hgyieia, -Göttin der Gesundheit-, später auch ägyptische Gottheiten wie Isis, Ammon und Serapis. Der Kranke konnte daher für viele Aspekte seiner 'Problematik' Hilfe von den jeweiligen göttlichen Spezialisten erwarten: Die Tempel und riesigen Götterbilder erweisen, dass die Asklepieia nicht nur Krankeneinrichtungen, sonder ein religiöse Kulturzentren waren.

 


 

 

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